Die Wahl des Fahrradanhängers

Schon in der Schwangerschaft war die Suche nach einem geeigneten Fahrradanhänger eine der schönsten Dinge der Vorbereitung auf den kommenden Nachwuchs. Diverse Qualitätstests im Internet und ein ausführliches Beratungsgespräch im Outdoorladen gaben uns schnell zu verstehen, dass die Bandbreite an Anhängern recht groß ist. Schon jetzt mussten wir uns Gedanken über ein mögliches Geschwisterchen machen – soll es ein Anhänger für ein oder für zwei Kinder sein? Wie sieht es mit der Federung aus? Welche Ansprüche gibt es an Zieh-und Fahrkomfort? Was sagt der Geldbeutel zu all den Dingen?

Unsere Priorität lag auf einer guten Federung, einer gemütlichen Sitzhaltung und viel Stauraum, da wir den Anhänger vor allem fürs Power-Shopping gekauft haben;). Hier bietet die Firma Chariot (neuerdings von Thule aufgekauft) diverse Ausführungen von Fahrradanhängern an, welche allesamt auf unsere Ansprüche passten. Unsere Wahl fiel dann auf den Corsaire, welcher neben dem Captain zu den Touring-Modellen der Chariot-Flotte gehört. Eine Bodenwanne bietet ein unendliches Platzangebot für Reiswaffel, Büchlein und Co. Im Gegensatz zu anderen Zweisitzern ist der Corsaire besonders breit, wodurch auch 2 Kinder auf längeren Touren gemütlich Platz finden. All diese Applikationen trage natürlich zu einer recht hohen Gewichtsbilanz bei. Mit knapp 14 kg ist der Corsaire bei weitem nicht der Leichteste, doch das erhöht den Trainingseffekt beim Fahren. Neben dem Fahrradset (Kupplung und Deichsel) haben wir noch Buggyräder und einer Hängematte dazugekauft, wodurch wir den Anhänger in den ersten Monaten auch super als Kinderwagen nutzen konnten. Sobald Jonathan sicher alleine sitzen konnte, haben wir die Hängematte herausgenommen und ihn auf die Sitzbank gesetzt. Nachdem der Anhänger und diverse Zusatzteile insgesamt schon recht preisintensiv waren, hatten wir eigentlich keine Lust mehr, noch ein Zubehör zu kaufen. Da Jonathan allerdings sehr schlapp in den Gurten hing, probierten wir den Sitzverkleinerer aus und waren äußerst zufrieden. Durch den zusätzlich verstärkten Bauchgurt und die Kopfstützen kann ein stabiler Sitz gewährleistet werden. Das einzige Problem, was wir bisher nicht lösen konnten, stellt der kraftlose Kopf beim Schlafen des Kindes dar. Mal rechts, mal links, mal nach vorn gekippt, irgendwie hängt der Kopf immer irgendwo und man will am liebsten jegliche Erschütterung vermeiden. Hier bringen die am Sitzverkleinerer angebrachten Kopfstützen nur beim bergauf fahren den gewünschten Erfolg. Hätten wir das vorher gewusst, wäre die Wahl vielleicht eher auf ein sportlicheres Modell der Chariot Anhänger gefallen… hier ist die Sitzbank noch ein Stück geneigter, wodurch der Kopf beim Schlafen vielleicht besser gehalten werden kann.

Nachdem Martin recht spontan ein Fully eingekauft hat, fuhren wir in fast jeder freien Minute durch die Dresdner Heide. Während der Corsaire auf Forstwegen ein super Bild abgibt, zeigen sich auf kleinen Pfaden schon einige Probleme. Da der Anhänger zweispurig ist, muss man permanent allen Schlaglöchern und Wurzeln auf 3 Spuren (Fahrrad + Anhänger) ausweichen – keine leichte Angelegenheit! Zwar können kleine Hindernisse durch die Blattfedern super abgefedert werden (zusätzlich haben wir 2.15 Zoll dicke Big Apple Reifen montiert und dafür die Bremse abgefeilt ;), doch durch etwaige Querbelastungen wird das Kind doch recht stark herumgeschaukelt. Um den Fahrspaß für groß und klein zu verbessern, gab uns Jonathans erster Geburtstag Anlass einen einspurigen Anhänger, den Singletrailer von tour terrain, zu kaufen. Ein klasse Teil, mit dem man gern über holprige Wurzelwege fährt. Durch die hydraulische Federung an der Hinterachse wird Jonathan maximal sanft in den Schlaf gewogen,während wir bedenkenlos durch den Wald fahren können. Durch die sportliche Sitzposition und die recht enge „Fahrgastkabine“ hat sich auch das Schlafproblem in Luft aufgelöst. Der Kopf wird nun durch Seitenkissen oder Rücklehne gehalten. Mit 9 kg Leergewicht ist der Singletrailer unglaublich leicht. Da er wie ein Nachläufer gedacht ist, kann man mit dem Fahrrad ganz normal seine Spur fahren, was vor allem im Gelände viel Freude macht.

Zelten

Zelten mit dem Nachwuchs ist überhaupt kein Problem, außer man plant eine Wintertour. Jedoch gibt es ein paar Dinge, die die Reise deutlich entspannter machen. Falls das Kind kein Problem hat, im eigenen Schlafsack zu schlafen, umso besser. Falls es noch viel gestillt wird und etwas mehr Körperkontakt mag, sind zwei zusammengezippte Schlafsäcke optimal. Allerdings braucht man dann einen großen Schlafsack fürs kleine Kind, was sich negativ in der Gewichtsbilanz niederschlägt. Falls es am Abend doch etwas kalt ist, kann man das Zelt zum Wickeln mit einer kleinen Gaslaterne etwas heizen.

Windeln

Da wir normalerweise mit Stoffwindeln wickeln, stellte sich die Frage, wie man während der Reise der Inkontinenz des Kleinen Herr wird. Aus Gründen des Umweltschutzes entschlossen wir uns, keine Wegwerf-Windeln einzupacken, sondern jeden zweiten Tag eine Handwäsche einzulegen. Da der Festanteil schon regelmäßig im Töpfchen landete, ging das Waschen besser als gedacht. Zum Trocken wurden die Windeln einfach an den Anhänger geknöpft und waren nach einem Tag weich und trocken.

Konstruktive Kritik und Akklamation