Reiseroute

Tagebuch

Anreise

Ganz entspannt begannen wir unseren Urlaub mit der Fahrt von der Tagesmutti zum Flughafen. Dort angekommen hieß es, Gepäck und Fahrräder transportsicher zu verpacken. Ein Müllbeutel voller Knallfolie diente zum Schutz des Wiesmann-Fullys, meinem robustem Velotraum-Rad wurden lediglich die Pedalen abgenommen und der Lenker quer gestellt. Da der Singletrailer von Tout Terrain nicht wirklich als Kinderwagen durchgeht, luden wir ihn mit den verbleibenden Ortlieb-Taschen voll und gaben ihn als zweites Gepäckstück auf. Corendon-Airline, eine türkische Billig-Fluglinie, verlangte glücklicherweise nur 20 € pro Rad und Strecke, was auch ein Grund war, statt den Lykischen Weg per Rucksack zu erkunden, lieber unsere Drahtesel zu besteigen. Kleiner Nachteil der Billig-Airline war die Ankunftszeit kurz vor Mitternacht. Auf einer wenig befahrenen Stadtautobahn rollten wir gute 10 km bis ins Zentrum. Wenig optimistisch stimmte das erste unfreiwillige Rennen gegen ein paar Hunde, welches noch auf dem Flughafengelände stattfand. Ein weiterer Hund verfolgte uns fünf Minuten später ebenso wenig gut gesonnen…doch nach einem kurzen Sprint konnten wir ihn erfolgreich abhängen. Den eigentlichen „Ankunftstag“ verbrachten wir ganz entspannt in Antalya, wo wir durch die wunderschön verträumte Altstadt schlenderten und Kultur, Leute und Kulinarisches in vollen Zügen genossen.

Tag 1

Gut gestärkt mit Weißbrot und Instantkaffee begannen wir unsere erste Tagesetappe. Ganz entspannt ging es zwischen den Straßenbahnschienen, dem offiziellen Radweg, durch die Innenstadt Antalyas bis zur Strandpromenade. Nach einem Badestopp am Kiesstrand konnten wir uns vor dem kommenden Anstieg nicht weiter drücken. Da der MTB-Führer keinerlei Wasserstelle zwischendurch versprach, kauften wir an der letzten Tankstelle 5 l Wasser. Auf einer ruhigen Nebenstraße fuhren wir anschließend stetig bergauf in Richtung Gedeller. Von Wassermangel kann auf der Strecke jedoch keine Rede sein. An zahlreiche Quellen (welche auch bei OpenSteetMap vermerkt sind) kann man die Flaschen auffüllen. Als Schlafplatz diente uns ein verlassenes Gartengrundstück in unmittelbarer Nähe der Straße. Mit ein paar Pferden, einer open air Badewanne und fließendem Wasser war für jeden was dabei 😉

 

Tag 2

Bei angenehm frischer Luft und nur noch 500 Höhenmetern vor uns, konnten wir der restlichen Bergetappe entspannt entgegen blicken. Unsere Essensvorräte hatten sich nahezu erschöpft, der einzige kleine Shop bis zum Pass war geschlossen. Doch im Dörfchen wenige Meter vor der Abfahrt nach Kemer konnten wir uns mit Brot und Keksen stärken – nun war auch Jonathan wieder bestens für die Abfahrt präpariert. Allein die Aussicht und das Bergpanorama entschädigten uns für die Anstrengungen. Doch auf die folgenden 30 km und über 1000 Höhenmeter bergab wollten wir auch nicht verzichten. Gleich nach den ersten Höhenmetern legten wir eine freiwillige Vollbremsung ein – Grund war eine Landschildkröte, die gerade die Straße überqueren wollte. Was für ein Highlight, eine Schildkröte in freier Natur! Nachdem wir das Tierchen sichtlich verstört haben rollten wir weiter bergab. In der Hoffnung auf ein nettes Städtchen, leckeres Eis und vielleicht sogar ein Campingplatz, ging es nun Richtung Kemer. Doch in fast jeder Hinsicht wurden wir enttäuscht: ein äußerst hässlicher Touriort voller Hotels und Diskotheken. Ein kleiner Trost war der mehr oder minder offizielle Zeltplatz am Stadtrand an einen etwas verdreckten Strand im Gelände eines Trockendocks, wo wir freundlicherweise unser Zelt aufstellen durften. Auf der Terrasse des dazugehörigen Restaurants war es dann doch noch ganz nett, Jonathan spielte mit den zahllosen Katzen und hatte seinen Spaß. Wer auf dieses Ambiente verzichten will, sollte lieber gleich weiter westlich nach Kiris abbiegen.

 

Tag 3+4

Nach einem Instantkaffee für Martin, einem türkischen Tee für Claudi und erfrischendem Bad starteten wir in Richtung Tekirova. Die Tour führte zu Beginn recht urban durch die Dörfer Kiris, Camyuva und Agva. Kurz nachdem man wieder auf die D400 musste, zweigte ein kleiner Weg zu einer Badebucht ab. Da Jonathan gerade munter wurde, ließen wir uns diese Gelegenheit nicht nehmen. Ein Wasserhahn gab es diesmal nicht, dafür viele Leute und Müll. So fuhren wir nach einer Schale Erdbeeren und Maulbeeren weiter nach Tekirova, wo wir uns mit Lebensmitteln eindeckten. Anschließend wagten wir uns auf die Piste in Richtung Madenbucht – wo wir uns einsame (und saubere) Strände erhofften. Verwöhnt von Asphalt weckte die steinige und steile Strecke wenig Begeisterung. Erster Lichtblick war eine Wasserhahn mit angrenzendem Maulbeerbaum. Einen Anstieg später eröffnete sich uns der Anblick unseres Zeltplatzes für die nächsten zwei Tage. Da die Piste steil und ausgespült war, mussten wir Fahrrad und Anhänger gemeinsam herunter schieben. Ein breiter, sauberer und menschenleeren Strand inkl. Wasserhahn begrüßte uns. Was will Mensch mehr?! Der anschließende Pausentag war obligatorisch. Wir hatten genug zu Essen, kein Zeitdruck und genug dreckige Windeln zum Waschen. So genossen wir Freiheit, Natur, Sonne, Meer und Lagerfeuerromantik.

 

Tag 5

Da uns zwei Mountainbiker beim Wasserholen am Abend zuvor entgegen kamen, welche uns von dem weiteren Befahren der Piste wärmsten abgeraten haben, entschlossen wir uns zum Umdrehen und fuhren entspannt zurück nach Tekirova. Dort nahmen wir die Alternativroute und strampelten schwitzend auf der mäßig befahrenen D400 nach oben bis zum Abzweig nach Cirali. Der Schweiß wurde wie immer belohnt und so genossen wir eine herrliche Abfahrt bis zum Strand. Entgegen der letzten Enttäuschung in Kemer wurden wir in Cirali umso mehr positiv überrascht. Ein nettes Backpacker-Dörfchen mit vielen kleinen Restaurants, Unterkünften und Zeltplätzen. Wir stellten das unsere zwischen ein paar Orangen- und Grapefruitbäumen, all-you-can-eat inklusive!

Tag 6

Nach einem Frühstück mit frischem Brot und Sonntagseiern mussten wir zuerst die Räder und den Anhänger durch den Fluss tragen und dann über den Strand nach Olympos schieben. Das klappte besser als am Tag zuvor gedacht, und so konnten wir nach einer halben Stunde schon wieder aufsitzen. Neben der beeindruckenden Landschaft waren die antiken Steinhaufen von Olympos (für Martin) nur mäßig beeindruckend. Da wir aber auf diesem Weg 400 Höhenmeter sparen konnten, bezahlten wir den geringen Eintritt von 10 TL gerne. Im Entspannungsmodus nahmen wir uns erneut eine kurze Etappe vor und erreichten einige Kilometer und Höhenmeter später das Dörfchen Karaöz. Von da führte eine Panoramastraße entlang der Küstenlinie in Richtung Finike. Die ersten beide gut eingerichteten Piknikplätze (mit WC und Trinkwasser) waren sehr gut besucht, sodass wir uns zur Weiterfahrt entschlossen. Zwei Kurven weiter offenbarte sich uns ein menschenleerer Traumstrand. Selbst Wasser und eine Dusche waren vorhanden. Ein Boulderfelsen lud zur Ausarbeitung ein, der einsame Strand zum abendlichen Lagerfeuer. Wieder mal eine kleines Paradies auf Erden!

Tag 7

Das morgendliche Bad war obligatorisch und so verzögerte sich die Abfahrt geringfügig. Auf anfangs noch kleineren Sträßchen ging es zwischen zahlreichen Gewächshäusern in Richtung Finike. Nach einer Mittagspause mit Eis und frisch gepresstem Orangensaft freuten wir uns auf die Panorama-Küstenstraße nach Demre – wenig Höhenmeter bei stetig toller Aussicht war die Devise. Auf der zweispurigen Hauptverkehrsstraße hielt sich der Verkehr in Grenzen und wir kamen rasch und entspannt bis nach Demre. Dort Bogen wir zum Strand in Richtung Cayagzi ab. Statt den dortigen Campingplatz zu beehren, fuhren wir noch ein paar Meter weiter auf dem Strand und zelteten neben der Hütte eines alten Fischers, der uns zum Abendessen einlud.

Tag 8

Nach dem leckeren Salat am Abend hing die Latte sehr hoch, doch konnte diese mit gedünsteten Gemüse und Ei zum Frühstück locker erreicht werden. Abermals begann die Fahrt recht spät, diesmal nicht zuletzt aufgrund des Bewegungsdranges des Jüngsten. Damit lag Kas mit über 50 km und 700 Höhenmetern unerreichbar fern und wir entschieden uns nach wenigen Kilometern auf der ruhigen Nebenstraße nach Ücagiz abzuzweigen und den Anstieg noch einen Tag zu verschieben. Das beschauliche Hafendörfchen bot zwar weder Strand noch Zeltplatz, doch genossen wir den Komfort einer festen Unterkunft mit Halbpension – ohne Zeltaufbau und Kochen. Seit langem konnten die Windeln wieder mit warmen Wasser gewaschen werden…

 

Tag 9

Ohne Packen dafür aber mit einem ausgiebigem Frühstück kamen wir diesmal überraschend zeitig los, sodass wir die 700 Höhenmeter noch vor der Mittagspause und bei erträglichen Temperaturen erklommen. Eine rasante Abfahrt führte uns wenige Minuten später nach Kas. Da wir Lust auf einen klassischen Stadtbummel und Eisessen hatten, nahmen wir diesmal den offiziellen Zeltplatz, wo wir unsere Sachen abwerfen konnten. Die einzige wilde Zeltmöglichkeit wäre eine kleine schattenlose Bucht gewesen, worauf wir in Anbetracht des noch leicht fiebrigen Jonathans sowieso gerne verzichtet hätten.

Tag 10

Nach vielen kurzen Tagesetappen und einem ungeplanten Pausentag lagen wir in unserer Kilometerleistung doch beträchtlich hinter den Erwartungen und so mussten wir für die nächsten 100 km den Bus nach Fethyie nehmen. Anderenfalls wären wir nicht rechtzeitig zurück in Antalya ewesen. Vom Busbahnhof strampelten wir über einen steilen und stark befahrenen Pass zum Strand von Ölüdeniz – diese Strecke ist für schwer bepackte Reiseräder nicht wirklich zu empfehlen. Hier stellt die Piste nach Makri, welche auf der Straße über die Halbinsel Letoonia abzweigt, eine lohnenswertere Alternative dar. Da noch Nebensaison war, hielt sich die  Besucheranzahl am „Traumstrand der Türkei“ sehr in Grenzen. Als wir am anderen Ende des Strandes ein paar Zelte entdeckten, zögerten wir nicht lange und bauten unseres wenige hundert Meter neben dem letzten Hotel ebenfalls auf. Dank dieser Nähe kamen wir sogar im Zelt in den Genuss von Bass-bestimmter Musik und neuzeitlichen Laserilluminationen.

Tag 11

Heute mussten wir zeitig los, denn der Anstieg von Ölüdeniz nach Fethiye hatte es in sich, das konnten wir beim runter fahren am Tag zuvor schon bestens analysieren. Bei etwas zu warmen 30 Grad meisterten wir mit vielen kurzen Pausen die knackigen 300 Hm. Nun folgte der angenehme Teil der heutigen Strecke. Vorbei an kleinen Dörfchen und der im 19.JH verlassenen Stadt Makri genossen wir Landschaft und Leute. Dank des MTB-Bikeführers entdeckten wir noch eine super Abfahrt auf die Halbinsel Letoonia. Um den letzten Fahrtag gebührend zu ehren, umrundeten wir die kleine Halbinsel bevor wir es uns in einer kleinen Bucht zum Baden, Lagerfeuern und Zelten gemütlich machten.

 

 

Tag 12

Da wir nicht genau wussten, wann die Busse von Fethiye nach Antalya fuhren, brachen wir verhältnismäßig zeitig auf, sodass wir schon 9:30 Uhr den Busbahnhof erreichten. Nach dem Ticketkauf konnten wir noch kurz einen Tee trinken bevor der Bus ankam und wir darauf hofften unser ganzes Gepäck im kleinen Laderaum zu verstauen. Auf die Alternative – ein großer Reisebus der erst am Nachmittag fuhr – hatten wir nicht so viel Lust. Glücklicherweise passten Fahrräder und Taschen in die vorgesehenen Gepäckfächer hinein und der Busfahrer war so kulant, den Anhänger in den Gang zu stellen. Im Eiltempo fuhren wir die kurze Strecke durchs Inland nach Antalya – vorbei an vielen Orten und Landschaften, die wir sicher in einem nächsten Urlaub mal genauer unter die Lupe nehmen 😉 . Denn wiederkommen wollen wir auf jeden Fall!

 Fazit

Tolle Landschaft, super Wetter, super liebe Menschen, leckeres Essen, und entspanntes „wildes“ zelten machen die türkische Mittelmeerküste zu einem Top Reiseziel für Reiseradler und alle, die im Frühling etwas mehr Sonne als in den heimischen Gefilden tanken wollen. Ob zu Fuß den Lykischen Weg, mit MTB und kleinem Gepäck die Berge erklimmen oder eben mit Reiserad und allem was man so braucht – absolut empfehlenswert!

Konstruktive Kritik und Akklamation