Reiseroute


Tagebuch

Anreise

Höchst komfortabel konnten wir unsere Reise in Dresden beginnen. Da das Packen wie immer in letzter Minute erfolgte, wurde der Zeitdruck immer größer und so mussten wir leider mit dem Zug zum Flughafen fahren. Das nicht-buchen der Fahrräder stellte sich als großes Glück heraus, da das nette Servicepersonal lediglich für ein Rad 20€ verlangte. Mit Aeroflot flogen wir dann einem 23-stündigen Aufenthalt im Moskauer Transitraum entgegen.

Kurz nach Mitternacht landeten wir dann endlich in Delhi. Nach dem beladen der Räder im akklimatisierten Flughafen erschlug uns die feuchte Wärme am Ausgang. Die Vorfreude auf die Mittagshitze sank. Auf fast leeren Straßen radelten wir in Richtung Stadtzentrum und genossen die langsam erwachende Stadt. Man konnte sich allmählich an den zunehmenden Verkehr gewöhnen und fühlte sich zur Rush Hour schon fast sicher. Den Helm ließen wir trotzdem drauf.

Ein Zimmer ohne Klimaanlage bescherte uns die dritte schlafarme Nacht in Folge. Wir beschlossen deshalb, Delhi schnellstmöglich zu verlassen und nahmen einen überteuerten Bus nach Manali – die vierte beschissene Nacht.


Manali – Rohtang La – Darcha

Endlich am Fuße des Himalayas angekommen, konnte der Urlaub beginnen. Wir starteten mit einem Mango-Lassi und und mehreren Banana-Pancakes. Nach zwei Tagen der Tiefenentspannung und Pseudo-Akklimatisation (Manali liegt auf nur 1950m) starteten wir unsere Tour in Richtung Rohtang La. Noch etwas geschwächt brauchen wir zwei Tage bis zum Pass. Bei Schrittgeschwindigkeit haben wir dafür umso mehr Zeit, die tolle Kulisse zu genießen. Endlich oben angekommen, beschließen wir auf einem Plateau zu Zelten um die Vorfreude auf die Abfahrt noch mehr zu steigern. Beim nächtliche Gewitter und Starkniederschlag bereuen wir unsere Entscheidung. Als es endlich vorbeigezogen ist, können wir aufgrund der Höhe nicht gut schlafen.Der Regen hat sich auf die Straßenqualität nicht besonders förderlich ausgewirkt. Nicht viel schneller als bergauf schlängeln wir uns die vielen Serpentinen ins Tal. Unten angekommen beginnt eine Asphaltstraße und so können wir die nächsten zwei Stunden genüsslich bergab rollen. Wenige Kilometer vor Keyland bogen wir in Darcha eine kleine Piste Richtung Westen ab und fuhren zum Ausgangspunkt.


Darcha – Shingo La – Padum

Vom Asphalt verwöhnt, war die Umstellung auf grobe Schotterpiste mit vielen Flussquerungen recht hart. Doch diese Wegequalität sollten wir in den nächsten Tagen vermissen. Die erste Nacht verbrachten wir am Ausgangspunkt des Shingo La-Trecks. Eine glückliche Fügung wollte es, dass ein Horseman mit seinen zwei Pferden auf seinen deutschen Geldesel warten musste und so einen Tag Pause hatte. Er sah unser Gepäck, wir die Serpentinen vor uns und so kam eins zum anderen. Am Morgen wurde daher ein Pferd mit unseren beiden Rädern und das andere mit dem Gepäck beladen. Selbst ohne Gepäck kämpften wir uns die Höhenmeter bergauf. Wenige km vor dem Pass zelteten wir. Am nächsten Tag sollte der Onkel mit seinen Pferden vorbeikommen. Dieser hatte glücklicherweise noch ein freies Pferd, auf welches wir unser Gepäck laden konnten. Und so schoben wir Meter für Meter die Räder nach oben. Für die geschätzten 3km brauchten wir fast 4h. So kamen wir erst am Nachmittag am Shingo La an, die Flüsse führten schon recht viel Schmelzwasser und wir hatten bedenken, ob wir noch problemlos ins Tal zu unserem Gepäck kommen. Es gab ein paar heikle Schneefelder zu queren, doch glücklicherweise ersparten uns diese Schneebrücken eine unmögliche Flussüberquerung. Geschafft und glücklich kamen wir zum Sonnenuntergang auf der anderen Seite des Passes an.

In der Annahme, dass die Dörfer auf dem Weg nach Padum an einem Weg liegen, der zumindest mit dem Fahrrad befahrbar ist, starteten wir guter Dinge in den Tag. Die ersten Meter schoben wir entspannt an ein paar Yaks vorbei, bis wir zu einem großen Bergsturz kamen. Somit hieß es Gepäck abmachen und Räder einzeln tragen. Eine Stunde später kamen wir endlich auf der anderen Seite an und mussten feststellen, dass der zu überquerende Gebirgsbach von der Seite dank des  warmen sonnigen Wetters keine angenehme Wattiefe mehr hatte. Dies zwang uns zum Pausentag, doch glücklicherweise gab es eine kleine Wasserstelle und eine sehr hübsche Wiese zum Zelten. Am nächsten Tag ging es in der Frühe weiter. Aus dem einen Fluss wurden vier, doch die Füße spürte man schon nach dem Ersten nicht mehr. Drüben angekommen genossen wir unser Frühstück, schraubten die Pedalen ab und stellten uns auf ein paar Tage Fußmarsch ein. Häufig musste das Fahrrad getragen werden, wurde der Weg beängstigend schmal, der Abhang immer steiler und so konnte man die atemberaubende Landschaft kaum genießen. Wir sehnten uns nur noch nach der Straße und Fahrtwind. Nach insgesamt vier Tagen kamen wir an eine wackelige Hängebrücke, über welche wir mussten, um auf den die Straße zu kommen, welche in vielen Jahren über den Shingo La führen soll. Für ein paar Rupien trugen uns zwei Dorfbewohner die Räder hinüber.  Was für eine unbeschreibliche Freude wieder auf dem Sattel zu sitzen und unbeschwert hinab rollen zu können. Nach einigen Kilometern begann sogar die Asphaltstraße bis nach Padum. Kurz vor der Stadt trafen wir zwei Schweizer aus der anderen Richtung, welche ebenfalls über den Shingo La wollten. Unser Mitleid war groß…

Padum – Kargil

Nach den Strapazen der letzten Tage genossen wir den Pausentag in Padum, besuchten ein Kloster auf der anderen Talseite und labten uns an den kulinarischen Köstlichkeiten. Die Stadt war vom Besuch des Dalai Lamas wenige Tage vor unserer Ankunft noch geschmückt und voller Leute. Da die Bremsbeläge von Claudi nahezu abgebremst waren, machten wir uns auf die Suche nach Ersatz. Nach langer Fragerunde wurde wir zu einer verschlossenen Garagentür gebracht, wo sich ein Fahrradladen befinden sollte. Doch leider war Freitag und der Besitzer ein Moslem. Am Samstag hatten wir mehr Glück, auch wenn uns ein paar Schulkinder erst zum Haus des Fahrradladenbesitzers führen mussten,  der uns dann freundlich zu seiner Garage bekleidete und uns dann einen Beutel alter Bremsgummis zeigte. Sorgenfrei konnten wir dem Pensi La (4400 m) entgegen fahren. Vor der ersten Serpentine fanden wir an der Zunge des Durung-Durung Gletschers einen hübschen Campingplatz. Die letzten Höhenmeter am nächsten Tag waren schnell geschafft und die Abfahrt atemberaubend. Kultur und Landschaft wechselten drastisch innerhalb der wenigen Kilometer bis zum muslimischen Kargil. Endlich wieder in der Zivilisation genossen wir deren Vorzüge. Obst, Chai, Kekse und ein leckeres Abendessen standen auf dem Programm.


Leh – Nupra Tal – Leh

Nachdem wir die Strecke von Kargil nach Leh per Bus abgekürzt haben, wurde den ansässigen German Bakerys der eine oder andere Pflichtbesuch abgestattet. Von der Schokotorte und anderen regionalen Köstlichkeiten übersättigt rebellierte auch sogleich der Magen und verlangte nach scharfen Linsen (oder ersteinmal Wasser und Bananen). Die geplante Fahrt über den Kardung La, den angeblich höchsten befahrbaren Pass der Welt (5360 m) wurde daher um einen Tag verschoben und so hatten wir noch etwas Zeit für einen ausgedehnte Rundgang durch Leh und zu einem Kloster. Mit etwas Brot im Magen machten wir uns am nächsten Tag auf zum Pass. Anfangs waren wir recht optimistisch die fast 2000 Höhenmeter an einem Tag zu schaffen, doch neben der absinkenden Leistungskurve tat der absinkende Luftdruck sein übriges. An einer tollen Wiese auf fast 5000m konnten wir nicht vorbei und genossen dort die höhenbedingt schlafarme Nacht. Am nächsten Tag erreichten wir schnell den Pass, wo wir aufgrund von Spreng-und Straßenbauarbeiten einige Stunden warten mussten. Die erste ebene Fläche zum Zelten war vor einem Militärlager. Als das Zelt stand, war dies nicht im Sinne der uniformierten Anwohner. Mit Höflichkeit aber ohne Diskussionsbedarf verwiesen sie uns des Platzes, offerierten uns aber ein beheiztes Zimmer inkl. Tee im Lager. Dieser Einladung (der ersten in Indien) folgten wir gerne!  Von dort ging die Talfahrt weiter bis ins Nubra Valley. Die Straße entlang des Shyoks ist zwar eine Sackgasse, aber dennoch äußerst lohnenswert. Die erste Nacht am Strand verwandelte sich in einen heftigen Sandsturm, die zweite genossen wir ganz entspannt hinter ein paar Dünen. Auf eine zweite Beradelung des Kardung La verzichteten wir und setzten auf den öffentlichen Nahverkehr per Jeep zurück nach Leh, wobei wir die Abfahrt vom Pass natürlich nicht aus dem Auto sondern auf dem Sattel genießen konnten 😉

 


Leh – Kargil – Srinagar

Um eine 24-stündige Bus-oder Zugfahrt aus dem Norden nach Delhi zum umgehen, hatten wir unseren Rückflug von Srinagar gebucht. Doch um dahin zukommen, standen uns noch einige Kilometer in der Horizontalen und Vertikalen bevor. Kulturelles Highlight der Strecke war Lamayuru, ein altes baufälliges Bergdorf inmitten einer unglaublichen Landschaft. Hier saßen die Bauarbeiter noch neben einem Haufen Steinbrocken, welche sie zu Quader hämmern mussten. Über den gepflasterten Weg wäre man am liebsten geflogen…

Einige Pässe später erreichten wir mit Flottem Otto und zittrigen Beinen Kargil. Für die Weiterfahrt tauschten wir Ledersattel gegen Stoffpolster. Bei den Straßenverhältnissen und der Fahrweise der Locals konnte von einer entspannten Fahrt allerdings nicht die Rede sein. Wir erreichten dennoch Srinagar, mieteten uns wie von anderen Touris empfohlen ein Hausboot und genossen unser Urlaubsende. Zu unserem Glück war soeben der Ramadan vorbei, unser Gastgeber ein Koch und so durften wir die Reste vom Fastenbrechen verspeißen. Zusammen mit ein paar Backpackern saßen wir mit im roten Samt ausgekleideten Salon und fühlten uns wie Könige. Dank der Nebensaison waren sogar die Preise mehr als erschwinglich. Die Schattenseite des Hausbootglücks war der See selbst. Noch vor zwanzig Jahren war der Dal-See glasklar , man konnte Baden und Fischen. Heute wagt sich auch bei größter Hitze niemand ins Wasser, Fische gibt es kaum noch. Vor lauter Eutrophierung kann man nur noch Seerosen ernten.


Rückflug

Am Tag der Abreise näherten wir uns auf Schleichwegen dem Flughafen, wo wir schon vor dem Betreten des Geländes unser Gepäck kontrollieren lassen mussten. Beim Betreten des Terminals wurde das Gepäck samt Räder nochmals durchleuchtet, einige Taschen mussten ausgepackt werden, alles war ok. Jetzt ging es zum check-in, wo man die Räder etwas ungläubig betrachtete. Unverpackt würden sie auf jeden Fall NICHT mitgenommen werden. Zufällig hatten wir gerade KEINE passenden Kartons dabei. Aber die Hilfsbereitschaft der Inder war sagenhaft und so suchten vier Flughafenmitarbeiter sämtliches Verpackungsmaterial zusammen und verpackten so unsere Räder. Sehr geil! Nach der Landung in Delhi waren nur noch Überreste davon zu sehen. Ein neues Verpacken war unerlässlich… Zwei Jungs am Verpackungsstand leisteten mit ihrer Frischhaltefolie ganze Arbeit. Um die Touriabzocke zumindest am Flughafen zu minimieren, war der Preis auf 50 Cent pro Gepäckstück festgeschrieben – Glück für uns! Eine Gepäckgebühr für die Räder an sich wurde jedoch nicht erhoben. Fahrradland Indien!!!