Wissenschaftlicher Hintergrund zur Antarktis

Ein paar allgemeine Fakten

Laut dem Antarktisvertrag zählt das gesamte Gebiet südlich des 60. Breitengrades zur Antarktis und steht damit unter einem einmaligen Schutz. Der Vertrag regelt die friedliche und ausschließlich wissenschaftliche Nutzung des Gebietes. Man unterscheidet im allgemeines zwischen dem Kontinent Antarktika (Festland), dem Antarktischen Eisschild und dem Gebiet der Antarktis (Land- und Meeresfläche südl. 60° S). Der Kontinent Antarktika ist mit 13,2 Millionen km² etwas größer als Europa. Trotz der enormen Fläche sind sage und schreibe ganze zwei Blütenpflanzen heimisch – für Floristen kein lukratives Reiseziel. Es ist nicht nur der kälteste Kontinent (-89,2°C in Vostok) sondern auch der trockenste. Im Inneren der Antarktis fallen oft weniger als 20 mm Niederschlag pro Jahr. Das Antarktische Eisschild bedeckt den Kontinent zu 98 %, bei einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 1,6 km und einer max.  gemessene Dicke von fast 5 km. Lediglich 10 % aller Gletscher liegen außerhalb der Antarktis. Würde diese Eismassen abschmelzen, stiege der Meeresspiegel um ca. 60 m. Das Südpolarmeer ist aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes sehr dicht besiedelt. Riesige Krill-Schwärme locken wiederum zahlreiche Fische, Wale, Pinguine und Robben an. Allein die Wale essen geschätzte 55 Millionen Tonnen Tintenfisch, was ¾ des jährlichen industriellen Fischfangs ausmacht (da kann man die Japaner doch verstehen!). Neben einer steigenden Zahl von Touristen verbringen rund 4000 Wissenschaftler ihren Sommer in der Antarktis, verteilt auf 82 Forschungsstationen. Im Winter halten es immerhin noch rund 1000 Forscher, Mechaniker, Köche und Ärzte aus. Eine einheitliche Zeitzone gibt es nicht. Vielmehr verwendet jede Station oft die Zeitzone ihres Heimatlandes Neben all der Wissenschaft in der Antarktis findet jedes Jahr ein Marathon ein Musikfestival statt.

Über die Veränderung der Kryosphäre

Oftmals werden Gletscher als natürliche Thermometer betrachtet. Schaut man sich historische Aufnahmen von Alpengletschern an, werden Gletscher dieser Bezeichnung mehr als gerecht. Jedoch reagieren Gletscher nicht nur auf eine Veränderung der Temperatur, sondern auch eine Veränderung des Niederschlages. Für die Antarktis sind daher zwei gegensätzliche Prozesse zu beobachten. Einerseits führt die Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane zu einem Rückgang des Schelfeises, andererseits führt die höhere Luftfeuchtigkeit zu mehr Schneefall, vor allem im Küstenbereich der Ostantarktis. Insgesamt haben die Massenverluste des Eisschildes jedoch in den letzten Jahrzehnten von rund 30 Gt/Jahr auf fast 150 Gt/Jahr deutlich zugenommen. Wie bereits erwähnt, bestehen starke räumliche Unterschiede. So treten die Massenverluste vor allem in der Westantarktis zu auf,  wohingegen in der Ostantarktis eine Zunahme des Eises zu verzeichnen ist.
Die Veränderung der Eismassen wirken sich auf hauptsächlich zwei Prozesse aus. Einerseits führt das Abschmelzen zu einem Anstieg des Meeresspiegels (siehe Tabelle) und andererseits zu einer geringeren Reflexion der Sonneneinstrahlung. Statt der sehr hellen Schneebedeckung, welche die Wärmestrahlung reflektiert, absorbiert die dunkle Meeresoberfläche einen Großteil der Einstrahlung und wärmt sich damit viel schneller auf. Da sich dieser Effekt selber verstärkt, kommt auch dem Antarktischen Meereis eine große Bedeutung zu.

Eis auf Festland Meerwasseräquivalent in Meter
Eisschild in Antarktis 58,3
Eisschild in Grönland 7,36
Gletscher 0,41

Das Meereis schwankt von Sommer zu Winter zwischen 3-18 Millionen km². Damit verdoppelt sich die Eisfläche der Antarktis im Winterhalbjahr. Langzeitliche Trends sind schwierig zu beurteilen, da die regionalen Unterschiede sehr hoch sind. Insgesamt kann man eine geringe Zunahme des Meereises der Antarktis um ca. 1,5% pro Jahrzehnt seit 1980 bis heute feststellen.

Mass Change Antarctic

Veränderung der Eisdicke in cm/Jahr für den Zeitraum 2006-2012, basierend auf Messungen des GRACE-Satelliten.

 

Hintergrund Expedition

Die Station Vostok (russisch für Osten) liegt auf einem Hochplateau (3488 m) in der Ostantarktis nahe dem Pol der Unzugänglichkeit. Die nächste Küstenstation liegt fast 1500 km entfernt. Weiterhin hält die Station den Kälterekord mit -89,2°C und ist damit der Kältepol der Erde. Die Durchschnittstemperatur beträgt -55°C, der Jahresniederschlag liegt bei ganzen 20 mm. Vostok hat durch die Entdeckung des größten subglazialen Sees
der Welt für internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Dieser liegt unter einer rund 4km mächtigen Eisschicht, ist 230km lang, hat eine Fläche von 14.000km² und ist damit etwas kleiner als Sachsen. Doch war die Existenz des Sees während der ersten Jahrzehnte nach der Errichtung der Station nicht bekannt. Vielmehr wählte man den Standort für die Gewinnung eines Eiskernes, da das Gebiet sehr flach war und man daher mit einer geringen Fließgeschwindigkeit des Eises rechnen kann. Diese Eisbohrkerne dienen zur Rekonstruktion Klimageschichte der Erde der letzten 400.000 Jahre. Für die
Auswertung der Bohrkerne ist es notwendig, ein genaues Bild über die Eisdynamik des Sees zu besitzen. Dies stellt das Ziel der Forschungsarbeit des Instituts für Geodäsie der TU Dresden dar. Mithilfe von sehr präzisen GPS-Empfängern- und Antennen kann eine vertikale und horizontale Bewegung mit einer Genauigkeit von 1 cm erfasst werden.

Ein kurze Übersicht über den See Vostok und dessen Erforschung durch die TU Dresden gibt es hier.

Wer solidarisch mit frieren möchte, kann sich gerne ein Bild über das aktuelle Wetter machen.

 

Quellen: IPCC WG1 (2014), Glacial Geology (2009)

Vorbereitung

Damit man im Notfall weiß, wie man sich aus Eis eine Linse schmilzt, um mit Robbenfett ein Feuer zu machen, wurde im Spätsommer ein Sicherheitskurs im Ötztal durchgeführt. Aufgrund der Anwesenheit einer Dame wurde das Kapitel Amputation zugunsten eines stärkeren Fokusses auf Erfrierungsprävention durch das dickschalige Zwiebelprinzip vollständig gekürzt. Neben diesen Hardskills wurden während eines Umweltkurses in Bremerhaven ein paar spannende Fakten über die Antarktis vermittelt.

 

Zeitplan und Reiseroute

06.12.2014 Hinflug Dresden – Kapstadt
12.12.2014 Die Akademik Fedorov sticht in See
19-22.12.2014 Aufenthalt an der Station Molodezhnaya
27-29.12.2014 Aufenthalt auf der Station Progress
29.12.-21.01.2015 Inlandsflug;) und Aufenthalt auf der Station Vostok
21.01.-03.02.2015 Schlittenzug von Vostok nach Progress. Als kurzen Literaturtipp gibt es dazu einen etwas aufgeblasenen Bericht in der GEO.
03-08.02.2015 Aufenthalt auf der Station Progress
08-20.02.2015 Rückfahrt nach Kapstadt mit der Akademik Fedorov
20.-23.02.2015 Strandurlaub in und um Kapstadt
23.02.2014 Rückflug Kapstadt – Dresden

Tagebuch

 

Anreise

Da die Lufthansa-Piloten ihren Zweitwohnsitz auf Ibiza nicht erst mit 60 dauerhaft nutzen wollen, sahen sie sich verständlicherweise genötigt, ihre Arbeit niederzulegen. Leider geschah dies am Tag meines geplanten Abfluges. Die erste Änderung im Zeitplan geschah daher schon am heimischen Schreibtisch. Nun geht es hoffentlich am 6.12. zum Big-Wave-Surfen (oder gemütlichen Stadtbummel…) in Richtung Kapstadt.

Kapstadt

Nachdem ich freundlicherweise vom Flughafen abgeholt wurde und in das Guesthouse von ALCI (einer Logistikfirma, welche Flüge und Expeditionen zur und in der Antarktis durchführt und eng mit der russischen Expeditionsleitung zusammenarbeitet) gefahren wurde, verlief der restliche Tag weniger erfolgreich. Im Geldautomaten blieb die VISA-Karte stecken und wenig später wollte sich ein ebenfalls junger Papa meines nicht vorhandenen Barvermögens mittels Messerzücken habhaft werden. Nach dem erfolgreichen Versuch, ihn davon zu überzeugen, dass wir im gleichen Boot sitzen, zog er resigniert von dannen und ich freute mich mit zittrigen Knien über den bestehenden Besitz meiner Kamera und Unversehrtheit. Am nächsten Tag konnte ich meine Kabine auf dem Schiff, zusammen mit zwei Mitbewohnern beziehen. Da die Anlegeplätze im Yachthafen etwas zu klein sind, stand das Schiff im etwas größeren Containerhafen. Freundlicherweise wurden wir jeden Morgen von Kleinbussen abgeholt und bis zum Ausgang gefahren. Neben einer modern restaurierten Hafenanlage, der Waterfront, bietet sowohl das Stadtzentrum als auch die Umgebung einiges zu Sehen. Trotz Ermangelung an schlechten Wetter besuchten wir das Meeresmuseum, wo es von Seepferdchen bis zum Hai alles zu sehen gab. Besten Ausblick auf die Stadt hat man von dem über 1000 m hohen Tafelberg. Weitere sportliche Highlights waren zwei Fahrradtouren an der Küste in Richtung Kap der Guten Hoffnung. Die Steilküste zwingt einen zwar zu zahlreichen Anstiegen, doch jedes Mal wartet ein weiterer Strand am Ende der Abfahrt, was die Motivation trotz der erbärmlichen Drahtesel ungemein erhöht.

Schiffsfahrt Kapstadt – Progress

Nachdem der letzte Tropfen Treibstoff getankt und die letzten Paletten Bier verladen wurden, stachen wir am 12.12. endlich in See. Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir aus dem Hafen aus und konnten die Skyline von Kapstadt bewundern. Die Stimmung war super, jeder war an Deck und fotografierte und filmte was das Zeug hält.  Nachdem der Schlepper sich von uns gelöst hatte, begangen auch schon die Wellen. Da wurden die ersten auch schon stiller… Von mir haben die Fische glücklicherweise nicht bekommen und so genoss ich die ersten Tage auf hoher See. Anfangs konnte man sich im Windschatten gemütlich Sonnen, dann wurde die lange Hose aus dem Rucksack gesucht und wenig später die dicke Parka ausgepackt. Bei einer Wassertemperatur von -0.5°C fehlte nur noch der erste Eisberg. Gerade als ich die ersten Kilobytes gen Weltraum schicken wollte, schwamm am Horizont ein riesiger Eisberg vorbei. Sogleich waren diese nichts mehr besonders und man freute sich aufs Packeis. Die täglichen Veränderungen ließen keine Langeweile aufkommen. Bald sah man den ersten Wal am Horizont, am nächsten Tag trieb eine Eisscholle samt Robbe am Schiff vorbei. Die Eisschollen wurden dicker und dichter, doch das Schiff schob sich spielend durch das meterdicke Eis. Am Morgen des 20.12. erreichten wir die geschlossene Eisfläche. Ein paar Mal brach sich das Schiff mit einer Rammfahrt ins Eis, bevor die Natur die Oberhand gewann. Um zur Station auf dem Festland zu kommen, mussten daher die Hubschrauber startklar gemacht werden. Da jedes Rotorblatt mit einem Kran montiert werden musste, verging so der Vormittag. Eine kleine Pinguinkolonie wenige Meter neben dem Schiff bot der Besatzung noch mehr Abwechslung.

Nachdem man sich an diese gewöhnt hatte, verstanden es zwei Wale in nächster Nähe zum Schiff, eine kleine Peripetie in den Spannungsbogen zu knüpfen. Ohne Kommando Leinen los versuchte das Schiff den selbstgebauten Hafen zu verlassen, doch hatte es sichtliche Schwierigkeiten, sich aus dem Eis zu befreien. Um wahrscheinlich mehrere hundert Liter Diesel leichter, verließen wir das Packeis und fuhren in einem weiten Bogen in Richtung Progress. Der Plaste-Jolka war zwar reich geschmückt, dennoch kam an Heiligabend keine Weihnachtstimmung auf. Stollen und Glühwein aus dem Wasserkocher haben dennoch geschmeckt und so war es ein sehr netter Abend! Nach abermaliger Rammfahrt durch die Packeiszone erreichten wir am 27.12. das Küstenpanorama vor Progress.

 

Das Schiff

Für ein fast dreißigjähriges Forschungsschiff im Dauereinsatz drückt man bei dem äußeren Zustand gerne ein Auge zu. Das Rost-Lack-Verhältnis ist noch nicht ganz gekippt und die Inneneinrichtung hat sich seinen Charme der Erbauungszeit behalten. Das eigentliche Bewundernswerte sind die Platzkapazitäten. Neben rund 90 Wissenschaftlern und 60 Mann Besatzung finden drei Hubschrauber, ein Flugzeug, zwei Pistenraupen inkl. einem Wohnanhänger auf und unter Deck Platz. Neben diesem Sperrgut muss natürlich noch Essen und Treibstoff für die Hin-und Rückfahrt und fünf Stationen (für ein Jahr!) dabei sein. Unglaublich, dass da noch Platz für einen Tischtennisraum, zwei Saunen, einem Fitnessraum, einer Bibliothek, einem Arbeitsraum uvm. mehr ist.

Die Kabinen

Auf 10 m² Stellfläche finden ganze zwei Doppelstockbetten Platz. Tagsüber müssen sich die Zimmernachbarn auf ein Stuhl mit Tisch aufteilen. Glücklicherweise sind wir nur zu dritt und haben somit ein Bett als Sofa. Da sich das Bullauge bei gutem Seegang auch mal unter der Wasseroberfläche befinden kann, ist es nicht als Ausstellfenster konzipiert. Dafür gibt es eine separate Nasszelle.

Das Essen

Mein erstes Frühstück bestand aus vermutlich fleischhaltigen rosafarbenen Scheiben mit Weißbrot im Dickenverhältnis 1:1. Die Scheibe Zitrone zum Tee war die erste und letzte Portion Obst des Tages. Mit diesem unguten Gefühl begann die Reise. Doch sollte ich schnell eines Besseren belehrt werden. Am nächsten Morgen ging es ganz vegetarisch mit einem Teller gekochter Eier los. Zum Mittag gibt es stets Vorsuppe und jeden Tag ein anderes leckeres Essen. Sogar am Kaffeetrinken (allerdings ohne Kaffee) wird nicht gespart. Von Bananen, Cornflakes bis hin zum selbstgemachten Gebäck ist alles drin. Die zweite bis dritt Fleischmahlzeit (zählt man die Suppen mit, die vierte bis fünfte) gibt es am Abend. Bei ruhigem Seegang stört nur der Fernseher im Hintergrund. Ansonsten hat die eine oder andere Welle schon einiges an Porzellan gefordert.

Die Banja

Eine der größten Vorteile an der Teilnahme an einer russischen Expedition ist die zwingende Existenz einer Banja, der russischen Sauna. Kein Schweiß aufs Holz ist hier ein Fremdwort, ansonsten ist die Umstellung gering. Zuerst betritt man einen kleinen bescheidenen Ruhe- und Umkleideraum. Von dort geht es in den größeren Duschraum, wo die Tür zur Sauna ist. Da natürlich niemand unten sitzt, haben 5 Leute ausreichend Platz. Die Birkenzweige zum Abklopfen kamen nicht zum Einsatz, dafür gab es einen Bieraufguss. Große Erwartungen wurden mir für die Sauna in Vostok gemacht – dem Club der 200! Bei einem Temperaturunterschied von bis zu 200°C (innen 130°C, außen -70°C im Winter), gebührt es einem die Ehre, dazu 200g Vodka zu genießen.

Aufenthalt in Progress

Die Eisberge zahlreicher Gletscher waren noch im Eis eingeschlossen, die vielen Seen in der Umgebung der Station luden allerdings schon zum sommerlichen Anbaden ein. Durch das angefrorenen 20x20cm Panoramafenster im Helikopter konnte man den fantastischen Anblick leider nur  eingeschränkt genießen. Nach dem Anschreiben in die Anwesenheitsliste war die erste Amtshandlung des Stationsleiters das Hissen der deutschen Flagge. Mit noch immer stolz geschwellter Brust bezogen wir einen ausrangierten deutschen Wohncontainer. Der Zahn der Zeit zeigte seine Spuren, doch die Anwesenheit von IKEA-Inventar machte es schnell zum neuen Zuhause. Die Umgebung der Station bestand ausschließlich aus Fels, Sand, Vogelkot und Eis. Politisch korrekter Weise gilt dem vorhandenen Altmetall keine Erwähnung. Die zwei großen Hauptgebäude sind erst in den letzten Jahren errichtet worden und sehr modern. Zeit für die tolle Banja ist leider nicht, nur der Fitnessraum und die Tischtennisplatte konnten beehrt werden. Der erste Punkt des Arbeitsprogrammes konnte schnell abgehakt werden. Dank vortrefflicher Vorbereitung von deutscher Seite war der Aufbau von Antenne, Empfänger, Solarpanelen und Akkus leichter als jedes IKEA-Regal. Selbst der Schraubendreher lag bei!

Aufenthalt in Vostok

Nach einer verhältnismäßig sanften Landung empfing uns die Station bei strahlender Sonnenschein und milde -28°C. Da die Station auf 3500 m liegt, es sich aufgrund der dünneren Atmosphäre am Pol wie 4000 m anfühlt, ist eine Akklimatisation und damit verbundene Schonung notwendig. Das Ausladen konnten wir also anderen überlassen. Untergebracht wurden wir wenige Meter neben dem Hauptgebäude in den Räumlichkeiten der Aerologen. Im  ehemaligen Sportraum standen neben dem Doppelstockbett noch diverse Geräte und Hanteln. Auf dessen Verwendung verzichtete ich vorerst und legte mich nach dem Mittagessen ins Bett. Bei leichten Kopfschmerzen verging der Tag mit Lesen und Hörbüchern. Trotz Müdigkeit war an Schlafen nicht zu denken. Am nächsten Tag kam das nächste Flugzeug mit weiteren Gästen. Unter die Klimmzugstange kam eine Aufbettung und es wurde nun richtig  gemütlich im Zimmer. Die Kopfschmerzen ließen auch ohne 100g Begrüßungsvodka nach und so konnte ich nun das Stationsleben und die einzigartige Umgebung genießen. Den Eingang zum Hauptgebäude erreicht man über einen 30 m langen Tunnel im Schnee. Da die meisten Gebäude schon etwas betagt sind, wurden sie mit der Zeit vom Schnee begraben. Jetzt muss man über eine kleine Luke im Schnee eine Treppe hinabsteigen, sich durch eine Vielzahl von kalten Gängen schieben und erreicht dann irgendwann die gewünschte Tür in einen der Forschungsräume. Von außen sieht man nur den Bohrturm, eine Vielzahl von Antennen und Messgeräten, ausrangierte Fahrzeug und das große Gebäude mit den Dieselgeneratoren. Darin verbirgt sich auch das Herzstück der Station – die Banja.

 

Das Essen

Die Qualität des Essens verhält sich wenig überraschenderweise indirekt proportional mir der Anzahl der Leute. So verwöhnte der Koch in Vostok die fast 30 Leute mit allerlei Leckereien. Jede Woche gab es Kuchen, anfangs stand sogar ein Kaffeevollautomat zur Verfügung (welcher aus Angst der Überwinterer vor den haushaltstechnisch unversierten Sommer-Wissenschaftler lieber bis zum Abflug dieser eingezogen wurde). Zwei bis drei Fleischmahlzeiten gehörten ohne Frage zum guten Ton. Doch nicht selten fand sogar ein Stück Lachs den Weg auf den Teller. Die tägliche Vorsuppe durfte auch nicht fehlen. Jeden Tag half einer der Stationsmitglieder dem Koch beim Schnippeln, Putzen, Tragen und Tischdecken. Außerdem wurde jeden Tag frisches Weißbrot gebacken.

Das Neujahrsfest

Nach der Ankunft in Vostok am 29. Dezember war man am froh, als am 31. Die Kopfschmerzen aufgrund der Höhe vorbei waren. Mit leichten Unbehagen gedachte man des nächsten Tages. Doch die Option der Abstinenz zum russischen Neujahrsfest gab es nicht, schon gar nicht als einziger Deutscher, dessen Verträglichkeit es zu Prüfen galt. Der Anästhesist der Station, welcher von der Physiognomie eher an einen Gewichtheber in der Schwergewichtsklasse erinnerte, machte es sich am Abend zur Aufgabe, mich zu einem kontrollierten Absturz zu führen. Doch zuvor genoss ich die Köstlichkeiten auf der großen Tafel in der Küche. Neben Kaviar, Lachs, zahlreichen Salaten gab es sogar Obst. Naja, und ein paar Flaschen Sekt und Cognac. Auf Vodka wurde überraschenderweise verzichtet. Da die Feier erst kurz vor Mitternacht begann, zog sie sich entsprechend nach hinten raus in die Länge. Die Stimmung war gut, aber Gesellschaftsspiele, Tanz oder andere Vergnüglichkeiten suchte man vergebens. Der nächste Tag begann spät und in einer wie befürchteten Befindlichkeit. Doch man war nicht allein…

Die Banja

Höhepunkt einer jeden Woche war die Banja. Im ohnehin sehr warmen Gebäude der drei großen Dieselaggregate war die Banja untergebracht. Von einem stilsicheren Ruheraum mit Waschmaschine und Holzvertäfelung ging es in den Waschraum mit einem Hahn für heißes und kaltes Wasser, zahlreichen Schüsseln und Kellen, Saunamützen, Sitzbrettern. Statt dem Handtuch wird hier ein Brett verwendet. Dessen Existenz ist jedoch weniger hygienischen Ursprungs als vielmehr zum Schutz vor Verbrennung des Allerwertesten. Denn für die Überwinterer werden in der Banja 120°C angestrebt. Als sommerlicher Warmduscher durfte ich das Überschreiten des zweistelligen Bereiches jedoch nicht erleben. Ein weiterer Höhepunkt blieb uns glücklicherweise auch verwehrt: bei der einzigen 200°C-Sauna der Welt (max. 120°C Innen- und – 80°C Außentemperatur) gebührt es einem die Ehre, das Erlebnis mit 200g Vodka zu begießen. Bei -30°C konnten wir den Aufenthalt im Außenbereich in Ruhe genießen. Mit Mütze und Schuhen hält man es einige Minuten draußen aus, ohne Farbänderung der Extremitäten feststellen zu müssen. Ob bewusst so konstruiert oder nicht – die Enge der Banja und die Nähe des Ofens zum Eingangsbereich nötigen einen zu möglichst nüchternen Besuch derselben. Große Narben in Hüfthöhe von Überwinterern erzählen ihre eigenen Geschichten…

Die Geländearbeiten

Last but not least, der eigentliche Grund unserer Anwesenheit – unsere wissenschaftliche Arbeit. Ziel der Arbeit ist die Erfassung der Eisdynamik im Bereich des Sees Vostok. Durch die exakte Erfassung der horizontalen und vertikalen Bewegung können Rückschlüsse auf Prozesse im See (z.B. Gezeiten), Fließprozesse des Eises, Schneeakkumulation uvm. gezogen werden. Da die Fließgeschwindigkeit des Eises auf dem sehr flachen Hochplateau sehr gering ist und auf dem See nochmals abnimmt (im Bereich von 1m/Jahr), ist eine sehr hohe Genauigkeit der Messergebnisse notwendig. Seit mehreren Jahren existiert dafür ein Messnetz bestehend aus mehreren Punkten (Holzstangen oder Alurohre), welche fest im Schnee installiert. Diese werden nahezu jährlich mittels GPS-Geräten exakt vermessen. Um diverse Messfehler zu minimieren, werden ausgewählte Punkten für mindestens drei Tage gemessen. So können beispielsweise Luftdruckschwankungen der Atmosphäre, welche zu einer Kompression der rund 100 m mächtigen Schneedecke führen (ca. 1-2 cm), besser berücksichtigt werden. Die konkrete Arbeit besteht also im Finden des Punktes, eventuelles Ausgraben, Vermessender Schnee- und Antennenhöhe, Konfigurieren des Empfängers, Verkabelung von Solarpanel, Bleiakku und Receiver und Vermeidung von Zahlendrehern beim Protokollieren. Da die Messpunkte teilweise vor über 10 Jahren installiert wurden, liegendiese, ebenso wie die Station selbst, unter der Schneeoberfläche. So konnten wir die ersten Tage der Akklimatisierung mit intensiver Schaufelarbeit zubringen. Neben der Messung dieser Festpunkte im Stationsgelände unternahmen wir Messfahrten mit einem Schneemobil. Dazu wurden die Antenne und der Empfänger auf dem Skidoo montiert und vorgegebene Profile abgefahren. Im Vergleich mit den Profilen der letzten Jahre lassen sich somit Höhenänderungen in größeren Gebieten erfassen. Diese Methode diente auch zur Erfassung sogenannter Megadünen, wobei mega für megaflach steht. Ebenso wie bei Sand entstehen auch beim Zusammenwirken von Wind und Schnee verschiedene Groß- und Kleinformen – so auch Dünen. Nur sind diese mehrere hundert Meter lang, aber nur wenige Meter hoch und somit für den Betrachter unsichtbar. Im Höhenprofil werden sie allerdings deutlich sichtbar und liegen Höhenprofile mehrerer Jahre vor, so kann man auch ihre Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit untersuchen. Neben der rein wissenschaftlichen Arbeit wurden wir von der Expeditionsleitung gebeten, die Landebahn zu vermessen. Dazu wurden die Eckpunkte für mehrere Stunden per GPS-Ausrüstung gemessen und zusätzlich ein Höhenprofil per Skidoo erstellt. Da die Piloten normalerweise nur bei guten Sichtverhältnissen landen, werden die Daten hoffentlich keine praktische Verwendung finden…

Gebäude

 

Leute

Schlittenzug Vostok – Progress

Nachdem der Schlittenzug aus Progress am 19. Januar in Vostok eingetroffen war, hieß es für die Stationsmitglieder erst einmal arbeiten! Tonnen an Fleisch, Fisch, Buchweizen und andere essentiellen Dinge musste aus den Containern in den Lagerraum getragen werden. Doch es gab auch unhandlicheres, wie Zentnersäcke Mehl, eine neue Tischtennisplatte und einen Herd. Die Trainingseinheit am Abend konnte jedenfalls gestrichen werden. Nach dem Ausladen begann auch schon das Packen für die Rückfahrt zwei Tage später. Der ohnehin schon äußerst nette Küchenchef der Station überließ Kostja, dem ebenfalls total netten Koch für unseren Schlittenzug, nach ein paar Gläschen Vodka jede erdenkliche Köstlichkeit. Kulinarisch äußerst gut bestückt, konnten wir den nächsten zwei Wochen mit Freude entgegen blicken.

Am Abend vor der Abfahrt überreichte ich meine wenigen auserwählten Gastgeschenke wie eine Flasche selbstgemachten Zirbenschnaps an den Stationsleiter und ein an ein paar andere nette Leute. Die Erwiderungen potenzierten sich und so erhielt ich von beiden Stationsärzten und dem Leiter signierte Bücher, eine original russische Fellmütze, Handschuhe und die deutsche Flagge, welche die letzten Wochen die Station schmückte. Letztere wurde sogleich unterhalb der Russischen auf unserem Balok (dem Wohnschlitten) befestigt. Die nächste Abschiedsrunde erfolgte vor dem Start, am Mittag des 21. Januar. Da die Pistenbullys die Tage in Vostok im Standgas liefen (mit 3l/h vergleichsweise sehr sparsam zum sonstigen Verbrauch von 50l und damit ökologisch einwandfrei zu rechtfertigen), musste vor dem Start schließlich auch die Besatzung vorglühen. Nachdem alles befestigt und verstaut war (was angesichts der Platzkapazitäten sehr kompliziert war), konnte man endlich der typisch russischen Abschiedszeremonie beiwohnen. Das Stichwort hieß 100 Gramm. Nach fast einem Monat auf der Station hatte man viele Leute näher kennengelernt und auch einige liebgewonnen. So war der Abschied sehr herzlich, doch sah man auch der kommenden Zeit mit viel Spannung entgegen. Mit einem kalten deutschen Büchsenbier in der warmen Kabine des Pistenbullys verließen wir Vostok. Mit breitem Grinsen ließen wir uns von buckeligen Schneeoberfläche durchschütteln und genossen die endlose weite weiße Welt. Trotz der bescheidenen 10km/h fühlte man sich wie ein König – eventuell hatte diese Verschiebung der Wahrnehmung seinen Ursprung im vorangegangenen Genussmittelkonsum. In jedem Falle war es ein berauschendes Gefühl, sich inmitten der Eiswüste zu befinden, im zuverlässigen Pistenbully deutscher Bauart und mit russischen Fahrern, welche in jedem erdenklichen Zustand noch geradeaus fahren können. Leider machte unsere Route am ersten Tag einen kleinen Knick, die räumliche Differenz der beiden Pistenbullys war teilweise enorm, was einen gesunden Sekundenschlaf der Fahrer vermuten ließ. Unser Ziel erreichten wir dennoch problemlos!

 

Der Alltag

Der Balok hat eine Größe von 6×3,5m. In den ersten 2,5m befindet sich der große Dieselgenerator, die Toilette, die Anlage zum Schneeschmelzen und der Wasserbehälter, das Schuhregal und die Jacken, Werkzeug, kistenweise Saft und zwei Boxen unserer wissenschaftlichen Ausrüstung. Im restlichen 10m²großen Wohnbereich befinden sich drei Doppelstockbetten, eine Kochecke, zahlreiche Lebensmittel, der Esstisch und ein Bereich mit Laptop, Funkgerät und Satellitentelefon. Die Ablagefläche für die Dinge des persönlichen Bedarfs beschränkt sich auf ein Brett in der Toilette für die Zahnbürste und das eigene Bett. Um trotz der sagenhaften Geschwindigkeit von 5-10km/h die 1700km zu bewältigen, wird in 12h-Schichten gefahren. Lediglich zum Frühstück und Abendessen wird für 1-2h Pause gemacht, wenn es ausreichend Reste vom Vorabend gibt, auch gerne mal zum Mittagessen. Hinzukommen die Pausen für unsere wissenschaftliche Messungen, welche immer dankbareingehalten werden. Um das emotionale Vakuum zu füllen, welches durch sechs Herren im Schichtdienst entsteht, lief dauerhaft eine Ärzte-Soap, deren zentrale Themen Alkohol und Frauen waren. Meine polyglotte Impotenz kam mir diesmal zu Gute und so bewahrte mich diese passive Prävention vor allzu starker geistiger Erschlaffung infolge übermäßigen TV-Konsums.

Das Essen

Wie schon erwähnt, wird das Essen immer besser, je kleiner die Gruppe ist. Hinzukommt, dass man beim Schlittenzug versucht, alle sonstigen Komforteinbußen durch eine volle Vorratskammer zu kompensieren. So war das Dosenbier erst nach der ersten Woche alle, selbst am vorletzten Tag gab es noch Garnelen und frischer Lachs schien ein ubiquitäres Gut zu sein, welches morgens und abends den Tisch zierte. Dank der mehrstündigen Aufenthalte aufgrund unserer GPS-Messungen, welche wir versuchten, mit Frühstück und Abendessen zu synchronisieren, war der Koch nicht nur einmal zu Höchstleistungen am Herd motiviert und so wurden beispielsweise nach dem Aufstehen mit frischen Pfannkuchen verwöhnt. Doch der Höhepunkt kam wie immer am Ende:

Die Schaschlik-Party

Ein weiterer Vorzug des Konvois ist die obligatorische Schaschlik-Party. Kurz vor Progress heißt es dann Hackebeil und Ethanol raus, wobei letzteres zum intrinsischen Einheizen verwendet wird. Auf dem Holzfeuer finden Schwein und Lachs den Grund ihres sinnstiftenden Frühablebens und wir eine gute Basis für den folgenden Alkoholkonsum. Verunsichert, ob der massive stählerne Selbstbaugrill mit den Schaschlikspießen und der Geruch von Lagerfeuer inmitten der weiten stürmischen Antarktis nur eine Illusion infolge von Schlafmangel und Genussmittelkonsum ist, oder real existierende Quelle von Endorphinen und eines verheißungsvollen Abendessens, prosteten wir uns erneut zu. Das Abendessen war in der Tat fabelhaft, der meterlange Lachs, welcher sich am Tag zuvor in der Spüle an die Innentemperatur des Baloks adaptierte, lag nun tatsächlich in Alufoliepäckchen verzehrbereit und dampfend vor uns. Aus dem angeblichen Polarfahrer-Test, sich mit nacktem Hintern in den Schnee zu setzen, wurde ein FKK-Lauf mit Filzstiefeln und Fellmütze, welcher mir den Respekt und eine weitere original russische Schapka einbrachte. Der Abend nahm seinen erwarteten Verlauf und der nächste Morgen kam zu zeitig…. Berufliche Verpflichtungen zwangen uns nach wenigen Stunden Schlaf zum Aufstehen. In einer Zwischenwelt schwebend zog ich als überzeugter Vegetarier den Duft des Holzkohlegrilles ein, welcher noch im Echtfell-Pelzkragen meiner Parka hing. Die Unabhängigkeit von Gedanken und Handlungen wusste schon Bernhard Schlink zu berichten.

Die Arbeit

Meine hoffentlich ersten und letzten Erfahrungen im unregelmäßigen Schichtdienst bzw. 24-h Schichten durfte ich während des Schlittenzuges sammeln. Der Einstieg war hart und begann am Abend des ersten Tages. Es galt sechs Punkte für mindestens drei Stunden zu vermessen, wobei wir immer zwei Punkte parallel beobachtet haben. Noch blieb keine Zeit, die eigenen Sachen zu sortieren und so blieben die dünnen Handschuhe unauffindbar. Mit dicken Fäustlingen ließ sich der Bleistift gerade einmal aufheben… Nach der ersten Minute ohne Handschuhe war alles unterhalb des Handgelenkes für exogene Reize unempfindlich. So bemerkte ich eine Brandblase an der Hand erst später – nur dass sie die Ursache kaltes statt heißes Metall war. Nach14 Stunden waren wir in jeder Hinsicht fertig und ließen uns dankbar in die Traumwelt schütteln. Da auch die folgenden Punkte nicht immer mit unseren Biorhythmus synchron liefen, fuhren wir meist die halbe Nacht im Kässbohrer mit, genossen die Aussicht und schliefen nach dem Frühstück bis zur Ankunft am nächsten Punkt.

Aufenthalt in Progress (03.02. – 08.02.2015)

Progress empfing uns am Vormittag des 3. Februar bei strahlendem Sonnenschein und Windstille. Der erste Stopp erfolgte bei der Landebahn, da hier der allgemeine Parkplatz für die Baloks und Tankschlitten ist. Nun mussten wir unsere Sachen Packen und das Gepäck auf die zwei Kässbohrer verteilen, mit denen wir weiter bis zur Station fuhren. Parka und Handschuhe wanderten in eine der Kisten. Da in den Kabinen nicht genug Platz für alle war, durften wir es uns auf der Ladefläche gemütlich machen. In der Station angekommen, installieren wir sogleich den letzten Messpunkt und hakten damit auch den letzten Punkt im Arbeitsprogramm ab. Anschließend bezogen wir wieder den deutschen Wohncontainer, welcher in der Zwischenzeit sogar Fenster bekommen hatte. Sogar an der Restauration des Sanitärbereiches wurde gearbeitet. Wir nutzten erst einmal die voll ausgestattete Nasszelle im Hauptgebäude und genossen anschließend die äußerst heiße Banja. Selbst ein kaltes Astra-Bier konnte da nicht für ausreichend Erfrischung sorgen. In den nächsten Tagen genossen wir die ruhigen Nächte, den hohen Luftdruck, Temperaturen um den Gefrierpunkt und ein rüttelfreies Arbeiten am Rechner. Bei Sonnenschein und Windstille wurde sogar die ostdeutsche Freikörperkultur hochgehalten und neben dem chinesischen Hafen angebadet. Winterschwimmen war es nicht, dafür äußerst eisiges Eisbaden. Die Tage vergingen wie im Flug und am Abend des 7. Februars verabschiedeten wir uns mit einem Rundgang entlang der kleinen Halbinsel bei einem wunderschönen Sonnenuntergang. Sogar ein paar Pinguine haben sich noch eingefunden. Anschließend ging es ein letztes Mal in die Banja um den Abend perfekt zu machen.

Schiffsfahrt Progress – Kapstadt (08.02 – 20.2.2015)

Das Bording erfolge am Morgen des 8. Februar nach einer stattlichen Portion Spiegelei. Da wir leider mit ebenso stattlichen Gepäck am Hubschrauberlandeplatz standen, waren die Transportkapazitäten auch beim dritten Flug erschöpft uns so bekamen mein und Kollege und ich einen Privatflug. Auf dem Schiff angekommen, fühlte man sich der Heimat gleich ein Stück näher. Neben der vertrauten Umgebung sah man viele alte Gesichter wieder, Leute von der Crew und die Ozeanologen, das Bohrteam und die ehemaligen Überwinterer aus Vostok. Das Wiedersehen und der Start in Richtung Kapstadt wurden maßvoll begossen und so konnte am 9. Februar pünktlich 8:00 in den kommenden Schiffsalltag gestartet werden. Die vier Mahlzeiten nehmen hier neben der sättigenden, eine orientierungsgebende und sinnstiftende Funktion ein. Meine Wenigkeit verbringt die Zeit dazwischen dank des nasskalten stürmischen Wetters vornehmlich im Arbeitsraum. Nachdem Expeditionsbericht, Karten und Protokolle fertig waren, galt es, die schiere Menge an Bild-und Filmmaterial etwas zu lichten. Weitere Tage gingen somit ins Land. Um dem Input bei der Energiebilanz auch nur ein kleines Output entgegenzusetzen, ging es jeden zweiten Tag in den Fitnesskeller. Der andere Tag wurde zur Grundkonditionierung mit Treppenlaufen verbracht. Abhängig von der Wellenhöhe war auch Tischtennis ein Sport zur Kräftigung des gesamten Haltungsapparates. Weniger sportlich aber auch mit viel Einsatz verliefen die UNO-Spielerunden am Abend.

Eine ökologische Bilanz in Zahlen

Transportmittel Kraftstoffverbrauch pro 100km in l (p.P) Gefahrene Kilometer Benötigter Treibstoff p.P. in l
Inlandsflug: Dresden – München (Embraer 195) 450 (3.9) 2×400 31.2
Interkontinentalflug: München – Kapstadt (Airbus A340-600) 775 (4.1) 2×10.000 820
Inlandsflug: Progress – Vostok (Basler DC3-TP67) 400??? (40) 1000 ca. 400
Eisbrecher: Kapstadt – Progress – Kapstadt (Akademik Fedorov) 3.600 – 7.200 (12-24) 2×4500 ca. 1500
Skidoo: Stationsgebiet Vostok 40 (20) 170 34
ATT: Stationsgebiet Vostok 1000 (500) 1 10
Pistenbully: Vostok – Progress (Kässbohrer) 500 (166) 1800 3000
Fahrrad: Kapstadt 0 100 0
Gesamt 5795.2*

* Der durchschnittliche Jahresbenzinverbrauch eines Pkws in Österreich beträgt 1000 Liter.

Konstruktive Kritik und Akklamation